Nicht veröffentlichter Leserbrief an die Südostschweiz

05.05.2018

Zum Artikel: «Biologen halten Windpark in Bilten für machbar», SO 04.05.2018

Wenige Fakten, viel einseitige Polemik

Seit Jahren sehe ich die vielen Vögel auf den Wiesen links und rechts der Autobahn. Aber was wirklich dahinter steckt, wie viele und welche Arten sich dort treffen, das hörte ich an diesem Abend zum ersten Mal! Nur absolute Insider konnten sich vorstellen, dass im engeren Umkreis jedes Windmessmastes im Sommer 2017 rund 2‘000 mehrheitlich geschützte Fledermäuse auf der Jagd nach Insekten vorbeiflogen. Dass es in diesem Gebiet dreizehn verschiedene Arten hat und dass die Alpenfledermaus überhaupt zum ersten Mal hier nachgewiesen wurde, hat selbst die Biologen überrascht! Umso mehr war ich dann vom Fazit der anwesenden Experten entsetzt. 

Obwohl die Untersuchung ein hohes Konfliktpotential der streng geschützten Rotmilane, Störche und Brachvögel aufzeigt und ein hohes Kollisionsrisiko bestätigt, befürworten die Biologen den Bau des Windparks grundsätzlich! Genauso bei den Fledermäusen: Obwohl 62% der Arten streng geschützt und vom Aussterben bedroht sind, sollen die Anlagen so eingestellt werden, dass es nach den Berechnungen des Fledermausexperten jeweils pro Anlage und Jahr „nur“ maximal 15 Schlagopfer gibt. Das nennen sie dann «Restmortalität», ein perverser Begriff für das Schreddern seltener Wildtiere! Somit sterben dann 75 Fledermäuse pro Jahr (fünf Anlagen) und eine unbestimmte Anzahl streng geschützter Vögel. Und wozu das Ganze? Um die garantierten Subventionen in Höhe des fünffachen Wertes vom europäischen Strompreis abzukassieren, bei lächerlich kleiner Stromausbeute (ca. 16% Wirkungsgrad). 

Mit Spannung habe ich am nächsten Tag die öffentliche Meinung zu diesem Anlass in der Südostschweizund im Internet gesucht. Unter dem Titel Biologen halten den Windpark für „machbar“ finde ich keine Fakten zum Entscheid dieser Machbarkeits-Empfehlung. Die Mortalität unserer gefiederten Freunde fehlt im Artikel von Daniel Fischli. Aber umso mehr finde ich Polemik und einseitige Angriffe gegen die Windkraftgegner. Ja selbst die Sitzverteilung im Saal wird von Daniel Fischli kritisch kommentiert und alle Nebengeräusche finden den Weg in seine Zeilen. Unsachgemässe Zwischenrufe und vor allem Beleidigungen aus dem Publikum sind sicher zu verurteilen, aber dass eine bekannte Windkraftbefürworterin am lautesten geschrien und gestört hat, das verschweigt uns Redaktor Fischli und beweist damit seine Voreingenommenheit. Sein prominent aufgemachter Bericht wird leider keine weiteren Teilnehmer zu den nächsten Infoanlässen animieren (23. August 2018), höchstens noch zusätzliche Streithähne! 

Somit verdanken wir dem unseligen Projekt LinthWindbereits heute emotionale Spannung, Spaltung und Missgunst unter den Einwohnern der Gemeinde Glarus Nord, zusätzlich angefeuert durch derartige Berichterstattungen in den Medien! 

Martin Jäger, Tschappina

© LinthGegenwind