Fakten und Argumente für ein windradfreies Bilten

Inhalt:

1. Landschaftsverschandelung

2. Schädliche Emissionen für die Bevölkerung

Hörbarer Schall

Niederfrequenter Schall und Infraschall

Optische Bedrängung

Schattenwurf

Eiswurf

3. Todesfalle für Tiere

4. Glarus braucht keine Windkraftanlagen

5. Geringe und unzuverlässige Stromproduktion

6. Schwachwindgebiet

7. Massive Subventionen

8. Tourismus

9. Immobilienpreise und Standortqualität

10. Umfassende Interessensabwägung erforderlich

 

1. Landschaftsverschandelung

Die geplanten Windkraftanlagen sind mit 200 Metern höher als der Benkner Büchel. Der Rotordurchmesser beträgt bis 130 Meter. Die Anlagen sind weithin sichtbar und beeinträchtigen massiv das Landschafts­bild. Sie zerstören unsere Heimat. Das "Tor zum Glarnerland" wird zur Negativwerbung für den ganzen Kanton.

Visualisierung der geplanten Windkraftanlagen in Bilten

2. Schädliche Emissionen für die Bevölkerung

Die Standorte der geplanten Windkraftanlagen liegen inmitten von dicht besiedeltem Gebiet. Die Bevölkerung ist von den schädlichen Emissionen betroffen. Auf der obigen Karte sieht man, wie das Dorf Bilten von den Windrädern in die Zange genommen wird. Die nächsten Wohnbauten sind nicht viel mehr als 300 Meter entfernt, der Schattenwurf reicht

bis 1'400 Meter. Der Glarner Kantonale Richtplan sieht einen Mindestabstand von nur 300 m zu Wohnzonen vor. Das ist für solche 200 m hohen Anlagen viel zu wenig. Im Ausland sind die Abstände viel grösser, in Bayern z. B. gilt die "10 mal die Höhe"-Regel. Wir fordern 700 m Mindestabstand wie im Kanton Basel-Landschaft. Das ist eine sehr massvolle Forderung.

  • Hörbarer Schall
    Die Windräder emittieren hörbaren Lärm bis 105db(A) Tag und Nacht. Das entspricht der Lautstärke von
    Autohupe, Presslufthammer oder Motorsäge. Auch wenn die Grenzwerte der Lärm­schutz­verordnung nicht
    überschritten werden, ist der Lärm dennoch störend und beeinträchtigt das Wohlbefinden und die Lebensqualität.

Video: Der Windkraft-Lärm kann zum Alptraum werdenSRF-TV-Sendung vom 16. September 2010 über die Windparkanlage in St. Brais/Jura

 
 
  • Optische Bedrängung
    Durch ihre gigantische Grösse und die sich drehenden Rotoren geht von den Anlagen eine starke optische Bedrängungswirkung aus. In Deutschland gelten Abstände unter dem zweifachen der Gesamthöhe (in unserem Fall wären das also 400 m) als problematisch, Abstände zwischen dem zwei- und dreifachen Gesamthöhe (400 m/600 m) müssen im Einzelfall geprüft werden. Im Vergleich dazu sieht der Glarner Kantonale Richtplan nur einen Mindestabstand von 300 m vor, und nach der Lärmschutzverordnung ergibt sich ebenfalls nur dieser geringe Abstand.

  • Schattenwurf
    Der Schattenwurf reicht bis 1'400 Meter. Schattenwurf von Windkraftanlagen ist für ein betroffenes Gebiet eine äusserst störende Erscheinung. Man fühlt sich wie in einer Diskothek, wenn die Sonne durch den riesigen Rotor der Turbine scheint. Dieser Disco-Effekt sorgt für Stress bei den Anwohnern und im Naherholungsgebiet.

  • Eiswurf
    Im Winter besteht die Gefahr der Vereisung und des Eiswurfs. Das Gebiet muss dann grossräumig gesperrt werden. Das beeinträchtigt insbesondere die Nutzung als Naherholungsgebiet.

  • Nächtliche Beleuchtung ("Befeuerung")
    Die Anlagen müssen in der Nacht mit (auch blinkendem) Rotlicht befeuert werden. Das ergibt eine zusätzliche Lichtverschmutzung und optische Störung in der Nacht.

​3. Todesfalle für Tiere

Die Rotorspitzen drehen sich mit bis über 300 km/h und erschlagen Vögel und Fledermäuse. In Peuchapatte JU hat eine aufwendige und umfangreiche Studie der Vogelwarte Sempach eine Anzahl von 20.7 Schlagopfern pro Anlage und Jahr ergeben. Für Bilten ergab die Untersuchung im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), dass ein hohes Konfliktpotential bei Rotmilan, Weissstorch und Grosser Brachvogel besteht. Experten gehen von bis zu 10 Vögeln pro Anlage und Jahr aus, das wären dann insgesamt bis zu 50 getötete Vögel pro Jahr. Wie viele es tatsächlich sein werden, kann man nicht mit Bestimmtheit voraussagen.

Fledermäuse sterben vor allem durch die Druckschwankungen hinter den Rotorblättern an einem Barotrauma (die inneren Organe werden zerfetzt). Bei den Fledermäusen ergab die Untersuchung im Rahmen der UVP eine erstaunliche Aktivität und hohe Artenvielfalt. Die Fledermäuse sind streng geschützt und die meisten Arten sind vom Aussterben bedroht. Nach Mitteilung des Fledermausexperten sollen die Abschaltzeiten so eingestellt werden, dass es pro Anlage und Jahr nicht mehr als 15 Schlagopfer gibt. Das bedeutet insgesamt 75 erschlagene Fledermäuse pro Jahr.

Vogelzugintensität und Anzahl Kollisionsopfer an Windenergieanlagen am Standort Le Peuchapatte (JU). Studie der Schweizerischen Vogelwarte Sempach im Auftrag des BFE, 2016

4. Der Kanton Glarus braucht keine Windkraftanlagen

Glarus als Gebirgskanton produziert ein Vielfaches von dem Strom, der im Kanton verbraucht wird. Dieser Strom wird heute schon ausschliesslich aus erneuerbaren Energiequellen produziert (Wasserkraft, KVA Linth). Im "Konzept Windenergie" schreibt der Bund dem Kanton Glarus keine Verpflichtung zur Nutzung der Windenergie vor.

5. Geringe und unzuverlässige Stromproduktion

Die Stromproduktion ist vergleichsweise gering. Alle fünf riesigen Anlagen zusammen produzieren z. B. nur ein Drittel des Stroms, den die KVA Linth als Nebenprodukt der Müllverbrennung erzeugt. Der Wind bläst unzuverlässig. Es kann vorkommen, dass mehrere Tage lang kein nennenswerter Strom produziert wird.

6. Schwachwindgebiet

Der Wind bei Bilten ist viel zu schwach für den effizienten Betrieb einer Windkraftanlage. Die Standorte sind nicht einmal Windpotentialgebiete nach dem Windatlas des Bundes. Die mittlere Windgeschwindigkeit liegt nach den bisher bekanntgegebenen Messungen und Berechnungen im Bereich von 5…6m/s in 100 Metern Höhe. Ökonomisch wird der Wind erst ab einer mittleren Geschwindigkeit von 8.5 m/s interessant. Die Windkraftanlagen werden zu weniger als 20% ausgelastet sein. Das zeigt sich bei der Vorzeige-Windkraftanlage in Haldenstein bei Chur. Die Auslastung betrug 2017 nur 15.91%. Das sind durchschnittlich 3.8h Vollast pro Tag und 20.2h Flaute. Eine Windkraftanlage arbeitet unter solchen Bedingungen im unteren Bereich der Leistungskennlinie. Das wäre vergleichbar mit einem Auto, das hauptsächlich im ersten Gang fährt.

7. Massive Subventionen

Die Windgeneratoren sind in erster Linie Subventionsgeneratoren. Sie generieren dreimal mehr Subventionen als Strom. Der aktuelle Marktpreis für Strom liegt bei ca. 5 Rappen/kWh, die garantierte Einspeisevergütung bei 21.5 Rappen. Die Vergütung beträgt also das mehr als Vierfache des Marktpreises. Bei dem existierenden Schwachwind­ wird sich an der Notwendigkeit einer massiven Subventionierung auch bei einer Erholung des derzeit niedrigen Strompreises nichts ändern. Solch eine massive, auf Dauer angelegte Subventionierung erzeugt Fehlanreize und führt zu einer wirtschaftlichen und technologischen Fehlentwicklung.

Interessant ist ein Vergleich mit Deutschland: Die Vergütung beträgt dort derzeit nur mehr 7.49 Cents/kWh, der Referenzwert für die Berechnung basiert auf einer Windgeschwindigkeit von 6.45 m/s in 100 Metern. Die Vergütung in der Schweiz beträgt 21.5 Rappen/kWh, der Referenzwert ist 5 m/s in 50 Metern. Mit der aktuellen deutschen Vergütung könnten also die meisten Windparks in der Schweiz nicht gebaut bzw. betrieben werden!

8. Tourismus

Der Tourismus leidet unter einem Windpark. Feriengäste schätzen eine intakte Natur und Landschaft. Das "Tor zum Glarnerland", mit dem Glarus Nord wirbt, wird zur Negativwerbung für den ganzen Kanton. Ein Beispiel aus Deutschland: Ulrichstein ist ein Erholungsort im hessischen Vogelsbergkreis. Durch den Bau von mehreren Windparks in der Umgebung sanken die Übernachtungszahlen von 99'023 (1993) auf 8'531 (2013), das ist ein Rückgang um 91% (offizielle Zahlen der IHK Giessen).

Der geplante Windpark widerspricht der Tourismusförderung ebenso wie dem Politischen Entwicklungsplan des Kanton Glarus 2020–2030, der die ausdrückliche Vision formuliert: Glarus bietet ursprüngliche alpine Landschaft in Zentrumsnähe.

Tourismus-Blüte dank Windwahn? BBB - Bürger gegen Windwahn im Bergwinkel (Deutschland)

Windkraftanlagen in Mittelgebirgen gefährden den Tourismus. Verein Deutsche Mittelgebirge e.V. (Deutschland)

Kanton Glarus: Politischer Entwicklungsplan 2020-2030 (PDF)

9. Immobilienpreise und Standortqualität

Die Preise für Wohnimmobilien im Umkreis von Windkraftanlagen werden sinken. Wer will schon neben Windrädern wohnen? Aus Deutschland berichten Immobilienmakler von Preisrückgängen bis 30% und mehr, ja sogar von Unverkäuflichkeit. Vor allem für ältere Menschen kann dann eine bestehende Hypothek zum finanziellen Problem werden. In Dänemark, dem Pionier der Windenergie in Europa, gibt es seit 2009 ein Gesetz, nach dem die Anwohner von Windkraftanlagen für den Wertverlust entschädigt werden müssen (Der Mindestabstand in Dänemark beträgt immerhin vier Mal die Höhe). 

Studie: Gone with the Wind: Valuing the Visual Impacts of Wind turbines through House Prices. Stephen Gibbons, 2014, London School of Economics and Political Sciences & Spatial Economics Research Centre (PDF)

Windfarms can reduce house prices by up to 12%, says LSE. The Guardian, 8. April 2014

Wind turbine compensation stirring discontent. CHP Post (Denmark), 2011

Studie: Windkraft drückt dänische Wohnungspreise. Kurier (Österreich), 2014

Windkraft bringt Immobilienpreise in Turbulenzen. Die Welt, 2003

10. Umfassende Interessensabwägung erforderlich

Ein Projekt wie der geplante Windpark in Bilten erfordert eine umfassende und sorgfältige Interessensabwägung. Der vergleichsweise geringen und unzuverlässigen Stromproduktion stehen zahlreiche Nachteile gegenüber: Landschaftsverschandelung, schädliche Emissionen für die Anwohner (Lärm, Infraschall, Schattenwurf, Eiswurf, nächtliche Befeuerung), Tötung von Vögel und Fledermäusen, Senkung der Standortqualität und negative Auswirkungen auf den Tourismus. Alle dieses Argumente in die Waagschale geworfen, ergeben das klare Ergebnis: Der Vorteil der geplanten Windkraftanlagen in Bilten steht in keinem Verhältnis zum Schaden, den sie anrichten.

 

Alle unsere Behauptungen sind fundiert und belegt. Stand August 2018 © LinthGegenWind

 
 
 
 
 
 
 
 

© LinthGegenwind