Leserbrief in den Glarner Nachrichten vom 13. November 2018 (PDF)

Es ist ein Zeichen der Stärke

Ausgabe vom 10. November zum Leserbrief «Ein Armutszeugnis des Regierungsrates»

Es ist ein Zeichen der Stärke (nicht ein Armutszeugnis), wenn sich der Regierungsrat in vorausschauender Weise für eine flexible, entwicklungsfähige Raumplanung und für eine unbelastete Landschaft und damit für die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung einsetzt. Dies kommt auch den Glarner Bürgerinnen und Bürgern und allen Menschen zugute, die die Linthebene durchqueren und sich am «unverspargelten» Blick des Mürtschenstocks erfreuen dürfen.

 

Es ist zwar richtig, dass der Leserbrief von Landrat Vuichard die schweizweit mit 56 Prozent angenommene – von den Glarner Stimmenden allerdings mit 54 Prozent verworfene – Energiestrategie 2050 und ihren Fokus auf lokaler erneuerbarer Energie erwähnt. Allerdings zeigt sich bereits ein Jahr nach der Abstimmung, dass das Volk die 800 bis 1400 ( je nach Grösse) in der Schweiz geplanten, wetterabhängigen Windkraftwerke skeptisch betrachtet. Diese sind zur Erreichung des Windproduktions- Ziels der Energiestrategie 2050 von etwas mehr als 4 Milliarden Kilowattstunden (zirka die Hälfte der Produktion des Kernkraftwerks Gösgen) notwendig.

 

Das Beispiel Linthebene zeigt auch, dass die Energiestrategie 2050 kein Kinderspiel ist, wie das im Vorfeld der Abstimmung den Stimmbürgern weisgemacht wurde. Es kann ja sein, dass die Linthebene – trotz ihres guten Anschlusses an Bahn und Strasse – in den nächsten 20 Jahren nicht total überbaut wird. Aber vorsorgend ist der Bevölkerung eine grössere Distanz zu den Windrädern zuzugestehen.

 

Der Bundesrat hatte in keiner Weise eine ganzheitliche Analyse der Stromversorgung in der dicht besiedelten Schweiz vorgenommen, sondern aus einer emotionalen Stimmung heraus die Energiewende eingeläutet. Der Fokus auf die Versorgungssicherheit und die Nachhaltigkeit fehlte gänzlich. Dasselbe gilt für das glarnerische Energiekonzept. Auch die sozialen, landschaftlichen und raumplanerischen Kriterien, die Teil der Nachhaltigkeit sind, wurden ignoriert. Das wurde jetzt vom vorsichtigen Glarner Regierungsrat korrigiert. Hut ab – nicht Armutszeugnis!

 

Fairerweise muss man feststellen, dass das Energiegesetz der Nutzung erneuerbarer Energien – auch der Windkraft – ein «nationales Interesse » zugesteht. Damit hat man die «Verspargelung» der Landschaft legitimiert. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Windkraft wetterabhängig ist und unsteten Flatterstrom (im Gegensatz zum dringend, speziell im Winter benötigten Bandstrom, der rund um die Uhr fliesst) produziert und deshalb die Versorgung verteuert. Denn: Wenn der Wind nicht bläst, muss Ersatzstrom in Form von CO2-freier Kernenergie oder CO2-emittierender fossiler Produktion importiert werden. Klimaschutz beziehungsweise Pariser Übereinkommen: quo vadis?

Hans Achermann aus Mollis

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